Header der Wahlprüfsteine des Berliner Museumsverbands zur Abgeordnetenhauswahl 2026

Unsere Wahlprüfsteine

Am 20. September 2026 findet die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus statt. Der Berliner Museumsverband versendete dazu zehn Wahlprüfsteine an die Landesverbände von SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke, um ihre kulturpolitischen Prioritäten für die kommende Legislaturperiode kennenzulernen und zu erfahren, wie die Vielfalt und Zukunftsfähigkeit der Berliner Museumslandschaft langfristig gesichert werden sollen. Sie finden im Folgenden die Wahlprüfsteine und die Antworten der Parteien, in der Reihenfolge, in der sie uns erreicht haben.

Wir freuen uns auf einen konstruktiven Dialog über die Zukunft der Berliner Museumslandschaft.

Kultur als Pflichtaufgabe

Angesichts der Kürzungen im Kulturetat wurde verstärkt auf die Bedeutung der Kultur für Berlin aufmerksam gemacht. Setzen Sie sich dafür ein, Kultur als Pflichtaufgabe zu verankern mit dem Ziel, 3 % des Berliner Landeshaushalts für kulturelle Zwecke einzusetzen?

ja/nein; bitte begründen Sie.

„Die Linke Berlin wird sich dafür einsetzen, dass der Kulturhaushalt (der kleinste Einzelhaushalt), den die Koalition auf unter zwei Prozent des Gesamthaushalts gespart hat, langfristig drei Prozent des gesamten Haushaltsvolumens umfasst. Kurzfristig streben wir eine Erhöhung auf 2,5 Prozent an. Und langfristig auf 3 Prozent heißt für uns auch nicht „lange Bank“. Zumal wir davon ausgehen müssen, dass die Einnahmen des Landes insgesamt eher sinken, denn steigen werden. Es sei denn, es findet ein von der Linken angestrebter politischer Paradigmenwechsel statt, der u.a. zum Inhalt hat, dass die Einnahmesituation verbessert wird und dafür alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Das meint nicht nur eine Erhöhung der Preise für eine Parkvignette. Denn sinkt das Gesamtvolumen des Haushalts, relativieren sich leider auch 3 Prozent.

Wir unterstützen den Antrag der Linksfraktion im Deutschen Bundestag (Drucksache 21/6099) Kultur und Sport als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern. Bislang gelten sie ja als sogenannte „freiwillige“ Ausgaben. Für uns jedoch gehört Kultur zur Daseinsvorsorge. Gelänge es, Kultur als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern, wäre dies auch Programmauftrag für die Länder und Kommunen.

In Berlin begleiten und unterstützen wir den partizipativen Prozess hin zu einem Kulturfördergesetz. Dass es ein solches Gesetz gibt, dafür werden wir uns einsetzen.“

„Ja, wir treten als Bündnis 90/Die Grünen auch ausweislich unseres Wahlprogramms für ein Berliner Kulturfördergesetz ein! Damit wollen wir mehr Verlässlichkeit und Transparenz in der öffentlichen Kulturförderung schaffen und diese zugleich besser vor willkürlichen Kürzungen und politischen Eingriffen absichern. Zu den Möglichkeiten, Chancen aber auch den normativen Grenzen einer solchen Kulturfördergesetzgebung hat unsere Fraktion ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben (vgl.: https://gruene-fraktion.berlin/ein-kulturfoerdergesetz-fuer-berlin/)

Demzufolge wäre eine gesetzliche Festschreibung von Kultur als Pflichtaufgabe und eines prozentualen Finanzierungsanteils im Landeshaushalt durchaus möglich.

Allerdings würde dies keine echte Bindungskraft entfalten, weil letztlich auch ein Kulturfördergesetz dem allgemeinen Haushaltsvorbehalt unterliegt. Zu klären wäre außerdem die Frage, was unter „kulturelle Zwecke“ und deren Finanzierung genau zu verstehen ist: Der Einzelplan 08 als Haushalt der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, dessen Summierung mit den Kapitel 2708 (Kulturförderung der Bezirke) oder das Kapitel 0810, wie es die Kulturverwaltung und wir Grünen für sachgerecht halten?“

„Berlin ist eine Kulturmetropole von internationalem Rang. Die kulturelle Infrastruktur wollen wir auch unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen sichern. Eine starre Festlegung auf einen bestimmten prozentualen Anteil am Gesamthaushalt können wir jedoch mit Blick auf die gesamtstädtische Haushaltslage nicht pauschal zusagen. Im Mittelpunkt muss vielmehr stehen, wie mit den zur Verfügung stehenden Mitteln Strukturen erhalten bleiben, etwa durch eine effiziente Mittelnutzung, das Heben von Synergieeffekten oder durch eine bessere Governance.“

Ja – zur verbindlichen Absicherung von Kultur als öffentliche Aufgabe. Für die SPD Berlin gilt: Kultur ist Pflicht, nicht Kür. Wir halten an der Verankerung von Kultur als Staatsziel im Grundgesetz fest und führen in Berlin ein Kulturfördergesetz ein – mit mehrjährigen Förderungen, frühzeitigen Bewilligungen und realistischer Berücksichtigung von Tarif- und Kostensteigerungen.

Eine starre Drei-Prozent-Quote ist für uns dagegen nicht das entscheidende Instrument, weil ihr tatsächlicher Wert mit dem Gesamthaushalt schwankt. Entscheidend sind bedarfsgerechte Finanzierung und langfristige Planungssicherheit.“

Finanzierung

Museen, Gedenkstätten und Ausstellungshäuser stehen durch Inflation, Tarif- und Betriebskostensteigerungen unter Druck, während gleichzeitig Mittel für Innovationsprozesse benötigt werden. Unterstützen Sie die Einrichtungen in diesem Spannungsfeld?

→ ja/nein; nennen Sie 1-3 konkrete Maßnahmen.

Das tun wir und das wollen wir auch künftig tun. Wir wissen, dass die Fixkosten für Museen im Durchschnitt bei 80-90 Prozent liegen. Jede Kürzung hat also zur Folge, dass die sehr geringen frei verfügbaren Mittel gen Null sinken. In einem ersten Schritt wäre es aus unserer Sicht also notwendig, die mit dem Nachtragshaushalt 2024 verbundenen Kürzungen zurückzunehmen, den kostenfreien Museumssonntag wieder einzuführen und längerfristig gemeinsam zu überlegen, wie die von Ihnen hier angesprochenen erwartbaren Herausforderungen zu meistern sind. Sie fordern zu Recht einen ernsthaften Dialog der politisch Verantwortlichen und der Museen und deren Interessensvertretung.

Zugleich ist das Thema Inklusion drängend. Es sind Fortschritte erzielt worden, aber noch immer ist es nicht so, dass wir sagen könnten, alle Menschen können auf gleichberechtigte Teilhabe bauen. Bei dem Thema Barrierefreiheit gibt es keine Rechtfertigung, das auf die lange Bank zu schieben. Das gilt sowohl für die Besuchenden, aber auch für die in und für Museen Arbeitenden.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass wissenschaftliche Volontariate, Ausbildungsprogramme und Formate wie Jugendfreiwilligendienste für die Förderung von personellem Nachwuchs gestärkt werden, wie es die Initiative für ein Kulturfördersetz fordert.“

„Ja. Wir Bündnisgrüne wollen das Versprechen erneuern, dass wir mit unserem Regierungsantritt 2016 gegeben und auch eingehalten haben: Nämlich den Ausgleich der Tarifentwicklung bei den landesfinanzierten Kultureinrichtungen und – betrieben. Denn alles andere bedeutet eine faktische Kürzung bei deren Programmetats und ihrer kuratorisch-künstlerischen sowie Vermittlungsarbeit.

Gleiches gilt für den Ausgleich der Infrastrukturkosten, insbesondere den steigenden Betriebs- und Nebenkosten. Hierfür braucht es eine Rückkehr zu einer realistischen Veranschlagung der sog. SILB- bzw. BIM-Mieten oder zumindest einer (von CDU und SPD gestrichenen) dezentralen Vorsorge im Landeshaushalt. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass größere Kultureinrichtungen zukünftig die Mittel für den Bauunterhalt und kleinere Sanierungsarbeiten selbst, ohne den bürokratischen Umweg über die BIM und deren Dienstleister, bewirtschaften können.

Es braucht außerdem gezielte Investitionen in die Transformation und Innovationsfähigkeit der öffentlichen Kultureinrichtungen, auch und gerade in der Berliner Museumslandschaft. Wir wollen die Kürzungen von CDU und SPD, etwa bei der Digitalisierung des Kulturellen Erbes und den Resilienz-Dispatchern, zurücknehmen und die von der schwarz-roten Bundesregierung abgewickelte Green Culture-Anlaufstelle durch ein eigenes Berliner Angebot kompensieren.“

„Mit dem Tarifausgleich haben wir die Beschäftigten in den Kultureinrichtungen abgesichert. Gleichzeitig müssen Strukturen zukunftsfähig weiterentwickelt werden. Mit dem Transformationsfonds sind wir erste wichtige Schritte gegangen, um Synergiepotentiale zu heben, Prozesse effizienter zu gestalten und langfristige Resilienz aufzubauen – etwa durch gemeinsame Depot-, IT- und Serverstrukturen sowie einrichtungsübergreifende Lösungen bei Ticketing und Nachhaltigkeit. Diesen Weg wollen wir fortführen.“

Ja. Museen, Gedenkstätten und Ausstellungshäuser brauchen eine Finanzierung, die die laufende Arbeit und notwendige Veränderungen ermöglicht. Tarif-, Energie- und Sachkostensteigerungen berücksichtigen wir realistisch und stellen sicher, dass tarifliche Verbesserungen nicht durch Stellenabbau oder Programmkürzungen finanziert werden müssen. Zu den wichtigsten Investitionsprojekten gehören die Sanierung des Märkischen Museums, der Gedenkstätte Hohenschönhausen und des Dokumentationszentrums Gedenkstätte Berliner Mauer. Für die kommenden Jahre gilt es, einen klugen Ausgleich zwischen Investition und Innovation zu finden.“

Räume

Museen, Gedenkstätten und Ausstellungshäuser brauchen geeignete und bezahlbare Räume. Werden Sie Themen wie Probleme mit der landeseigenen Immobilienverwaltung, fehlende Depotflächen, Verdrängung, unzureichende Barrierefreiheit sowie Sanierungsbedarf angehen?

→ ja/nein; welche Schwerpunkte setzen Sie?

„Das Thema Räume wird uns in so gut wie allen Bereichen der Kultur beschäftigen. Es fehlen Arbeitsräume für die Freie Szene, Probenräume, Räume für Amateurmusiker*innen, Depotflächen, für die Aufbewahrung und Pflege historischer Sammlungen, die ZLB braucht einen neuen Standort und viele Standorte sind sanierungsbedürftig. Ein zentrales Depot für die Berliner Landesmuseen, deren Lager übervoll sind, ist eine dringend anzugehende Aufgabe. Goerzallee oder Vogelsdorf: Es sollte und muss in der nächsten Legislatur schnell entschieden und angegangen werden. Besonders dringend ist dies für das Deutsche Technikmuseum, wo wertvolles Kulturgut der Gefahr ausgesetzt ist, nicht erhalten werden zu können aufgrund schlechter Bedingungen für Aufbewahrung und Pflege.

Wir unterstützen die Forderung der Initiative für eine Kulturfördergesetz, dass Museen und museale Einrichtungen bei der Stadtentwicklung als fester Bestandteil sozialer und kultureller Infrastruktur mitgedacht und planerisch berücksichtigt werden.“

„Ja, mit der Entscheidung für neues Zentraldepots in der Goerzallee ist ein Anfang gemacht. Aber die Sicherung und Schaffung von Kulturräumen sowie künstlerischer Produktions- und Präsentationsorte bleibt aus bündnisgrüner Sicht eines der vordringlichsten kulturpolitischen Themen in unserer Stadt. Auch hier kann ein Kulturfördergesetz helfen – etwa durch die Möglichkeit einer Überlassung öffentlicher Gebäude unter Wert für kulturellen Nutzungen sowie die Einführung einer Privatisierungsbremse für Kulturimmobilien (beides nach dem Vorbild vom Sportfördergesetz).

Im Gegensatz zu CDU und SPD, die sich nach ihrer Regierungsübernahme für mehr Direktvermarktung landeseigener Liegenschaften entschieden haben, hat für uns ihre Nachnutzung für öffentliche und insbesondere kulturelle Zwecke Vorrang. Wir wollen ferner die ökologische Gebäudesanierung vorantreiben, zumal die Energie- und Heizkosten reduziert und sich langfristig auch finanziell auszahlt. Und wir entwickeln eine Roadmap für eine konsequente Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Kulturbereich und bei den Kulturimmobilien: Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit und kulturellen Teilhabe, sondern kann Berlins Kultureinrichtungen auch ein neues Publikum erschließen.

Die Raumprobleme der Museen sind nicht neu. Geeignete Depotflächen werden knapper und müssen zugleich besonderen Anforderungen an die sachgerechte Aufbewahrung von Sammlungsbeständen entsprechen. Mit dem Transformationsfonds haben wir deshalb auch die Bündelung von Depotflächen in den Blick genommen und mit dem geplanten Zentraldepot in der Goerzallee einen wichtigen Durchbruch erreicht. Dort steht nun eine landeseigene Fläche von rund 105.000 Quadratmetern zur Verfügung, die insbesondere den Bedarf des Deutschen Technikmuseums und der Berlinischen Galerie decken soll. Auch eine Nutzung durch weitere Kultureinrichtungen wird an diesem Standort geprüft. Damit lösen wir konkrete Depotprobleme und heben zugleich Synergiepotenziale.
Diesen Weg wollen wir fortsetzen: landeseigene Immobilien besser nutzen, Depotflächen bündeln und notwendige Investitionen in unsere Kulturstandorte vorantreiben. Dazu gehören etwa das neue zentrale Eingangsgebäude des Deutschen Technikmuseums, die Sanierung des Märkischen Museums mit dem Marinehaus sowie die barrierefreie Modernisierung von Brücke- und Bröhan-Museum. Weitere „Infrastrukturprojekte, insbesondere im Bereich der Gedenkstätten wie in der Keibelstraße, haben wir durch die Investitionsplanung abgesichert, um den bestehenden Sanierungsstau schrittweise abzubauen.“

Ja. Kulturpolitik ist auch Raum-, Bau- und Stadtentwicklungspolitik. Mit dem Stadtentwicklungsplan Kultur verankern wir Kultur fest in der Stadtplanung. Bau- und Sanierungsmaßnahmen müssen aus gesonderten Investitionsmitteln finanziert werden – unter Berücksichtigung der Betriebs- und Folgekosten –, damit sie die laufenden Etats nicht belasten. Barrierefreiheit verstehen wir als ressortübergreifende Aufgabe; die UN-Behindertenrechtskonvention setzen wir auch in den Berliner Kultureinrichtungen konsequent um.“

Sammlungen

Museen und Gedenkstätten bewahren unser kulturelles Erbe. Diese oft nicht-sichtbare Aufgabe erfordert besonders viele Ressourcen. Plant Ihre Partei Maßnahmen, um z. B. Sammlungsqualifizierung, Provenienzforschung und Kulturgutschutz / Notfallvorsorge strukturell zu stärken?

→ ja/nein; nennen Sie 1-3 konkrete Maßnahmen.

„Die Linke Berlin strebt eine nachhaltige Förderung der Erforschung der Herkunft von Objekten an und das vor allem in den Kontexten Kolonialismus und Nationalsozialismus.

Notfallvorsorge und Kulturschutzgut sind sehr drängende Probleme, über die wir gemeinsam in einem ersten Schritt reden müssen, denn die vergangenen Monate haben gezeigt, dass hier großer Handlungsbedarf besteht.

Museen sind Orte, in denen wissenschaftliche Arbeit stattfindet. Die ist genauso, wie die Provenienzforschung eine wichtige Arbeit, die nicht sofort öffentlich präsent ist, aber in unserer Verantwortung liegt.

Wir stimmen der Initiative für ein Kulturfördergesetz zu, wenn sie schreibt: „Die qualifizierte Sammlung, Bewahrung und Dokumentation von Kulturerbe ist eine zentrale Aufgabe von Museen. Durch Forschung, kuratorische Interpretation und Vermittlung tragen sie zum Entstehen neuen Wissens bei. Dieses Wissen betriff nicht nur die Objekte selbst, sondern auch deren kulturelle, historische und gesellschaftliche Kontexte. Damit sind Museen zentrale Akteure im öffentlichen Diskurs über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Gerade in diesen Zeiten wachsender Angriffe und Zumutungen im Sinne rechter, national-völkischer Umdeutung von Geschichte auf das kulturelle Erbe überhaupt ist es wichtig, dass Museen diesen Aufgaben mit ausreichender Ausstattung nachkommen können.“ 

„Ja, für uns als Bündnis 90/Die Grünen Berlin ist unser historisches und Kulturerbe in mehrfacher Hinsicht politischer Auftrag und gesellschaftliche Verantwortung. Das gilt zuvörderst für die Aufarbeitung der Sammlungsgeschichten, gerade im Fall von NS-Raubkunst oder Artefakten und Human Remains aus kolonialen Unrechtskontexten. Deshalb machen wir uns u.a. für eine Stärkung der Provenienzforschung stark: Die darf keine Frage der aktuellen „Kassenlage“ und Drittmittel-Akquise sein, sondern muss ein Teil der öffentlichen Regelförderung werden.

Diese Verantwortung gilt aber auch für den Kulturgutschutz ganz allgemein, denn der ist für uns Bündnisgrüne Teil der Kritischen Infrastruktur. Deshalb sollten auch Archive oder andere Gedächtnisinstitutionen von den neuen investiven Sondervermögen profitieren können. Wir Bündnisgrüne finden es falsch, dass es CDU und SPD auf Bundes- wie auf Landesebene bislang versäumt haben, die Kultur und den Kulturgutschutz bei der Belegung überhaupt zu berücksichtigen (bei der einzigen Berliner Maßnahme, der Sanierung vom Bröhan-Museum, handelt es sich lediglich um eine Verschiebung der Mittel aus dem Kernhaushalt).“

„Das Bewahren, Erforschen und Erschließen unserer Sammlungen gehört zu den Kernaufgaben der Museen und Gedenkstätten. Die Provenienz- und Sammlungsforschung haben wir in den Berliner Einrichtungen strukturell gestärkt und wollen diesen Weg fortsetzen. Gleichzeitig treiben wir die Digitalisierung der Sammlungen voran. Mit SOMMA schaffen wir für die bezirklichen Regionalmuseen und -archive ein gemeinsames digitales Sammlungs- und Objektmanagement, das eine einheitliche Erschließung und bezirksübergreifende Recherche von Beständen ermöglicht. Für Beschaffung und Einführung sind 2026 und 2027 jeweils 500.000 Euro vorgesehen. Mit einer zentralen Server-Infrastruktur für digitales Kulturgut stärken wir darüber hinaus die gemeinsame digitale Infrastruktur der Berliner Kultureinrichtungen.“

Ja. Museen bewahren Wissen, Geschichte und das gesellschaftliche Gedächtnis – auch dort, wo diese Arbeit nicht unmittelbar sichtbar ist. Wir stärken Sammlungsqualifizierung, Inventarisierung und Digitalisierung als dauerhaft finanzierte Kernaufgaben und bauen die Provenienzforschung – insbesondere zu NS-Raubgut und kolonialen Kontexten – strukturell aus, bis hin zu fairen und transparenten Lösungen einschließlich möglicher Restitutionen. Kulturgutschutz und Notfallvorsorge sichern wir über verbindliche Notfallpläne, geeignete Depots und die dauerhafte Unterstützung der Berliner Notfallverbünde – unabhängig von kurzfristigen Projektmitteln.“

Teilhabe

Kulturelle Teilhabe braucht niedrigschwelligen Zugang zu Museen, Gedenkstätten und Ausstellungshäusern. Wird sich Ihre Partei für die Ermöglichung von Angeboten wie z. B. dem Museumssonntag sowie sozialverträgliche Preise für Ausstellungen und Programme einsetzen?

→ ja/nein; welche Schwerpunkte setzen Sie?

„Ja. Die Linke Berlin setzt sich für sozialverträgliche Preise für Ausstellungen und Programme ein und will den eintrittsfreien Museumssonntag selbstverständlich und unbedingt wieder einführen. Es war ein Fehler, ihn zu streichen, das haben wir seit dem Nachtragshaushalt unermüdlich gesagt und entsprechende Anträge zur Wiedereinführung gestellt (Doppelhaushalt 2026/27). Die Studien des Instituts für kulturelle Teilhabeforschung haben ausreichend belegt, wie erfolgreich und wichtig eine solche Maßnahme auch im Hinblick auf die Erschließung neuer, jüngerer Zielgruppen ist.

Es widerspricht unserem Kulturverständnis, dass Museen Kostendruck und Einsparvorgaben über höhere Eintrittspreise wettmachen müssen, weil ihnen gar keine andere Möglichkeit bleibt.“

„Ja! Wir Bündnisgrüne wollen, dass alle Berliner*innen am Kulturleben teilhaben können und die öffentlich geförderten Kultureinrichtungen die Vielfalt der Stadt besser abbilden. Dazu gehört für uns eine bessere und verlässlichere Unterstützung bei Inklusionsmaßnamen, der Diversitätsentwicklung und in der Kulturellen Bildung, ob in der institutionellen oder in der Projektförderung. Die Ergebnisse der (Nicht-)Besucher*innen-Forschung vom IKTf zeigen zudem, dass Kulturangebote bezahlbar sein müssen, um die Teilhabe von finanziell benachteiligten Menschen sicherzustellen.

Das IKTf hat auch nachgewiesen, dass der kostenfreie Museumssonntag gleich in doppelter Hinsicht ein Erfolg war: Indem er nicht nur mehr, sondern auch gänzlich neue Besucher*innen als vorher dazu bewegt hat, ins Museum zu gehen. Deshalb enthält das Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen Berlin ein klares Bekenntnis zu seiner Wiedereinführung. Außerdem wollen wir prüfen, ob wir aufgrund der Streichung vom KulturPass durch CDU und SPD auf Bundesebene ein alternatives Angebot für Berlin einführen.“

„Unser Ziel ist es, kulturelle Teilhabe für alle Berlinerinnen und Berliner zu ermöglichen, unabhängig von Behinderung, Herkunft, Alter oder sozialem Hintergrund. Wir unterstützen niedrigschwellige und sozialverträgliche Zugänge zu Kultur. Erfolgreiche Angebote wie KulturLeben Berlin wollen wir stärken und insbesondere für Kinder und Jugendliche ausweiten. Bei kostenfreien Angeboten kommt es für uns auf Wirkung, Zielgruppenerreichung und eine nachhaltige Finanzierung an.“

Ja. Kultur darf kein Luxus sein. Den Museumssonntag führen wir wieder ein und gleichen die Einnahmeausfälle der Einrichtungen verlässlich aus, damit kostenfreie Zugänge nicht zulasten von Programmen oder Beschäftigten gehen. Mit der Jugendkulturkarte erhalten alle Berliner*innen zwischen 18 und 23 Jahren ein jährliches Kulturguthaben von 50 Euro. Kulturelle Angebote müssen zudem in allen Bezirken erreichbar und sichtbar sein – nicht nur in der Innenstadt.“

Bildung

Museen, Gedenkstätten und Ausstellungshäuser sind wichtige außerschulische Lernorte; allerdings fehlen die Mittel für eine kontinuierliche kulturelle Bildungs- und Outreacharbeit. Plant Ihre Partei konkrete Maßnahmen, um diese strukturell und dauerhaft zu fördern?

→ ja/nein; nennen Sie 1-3 konkrete Maßnahmen.

„Die Linke Berlin will Museen als außerschulische Lernorte fördern. Und uns liegt eine Ausweitung der Outreach-Arbeit am Herzen. Diese Angebote können Menschen erreichen, die aus verschiedenen Gründen nicht oder nur schwer den Weg in ein Museum finden.

Uns ist klar, dass es für solche Vermittlungsformate verlässliche Finanzierung braucht. Wie auf dieser Strecke ein spürbarer Fortschritt gelingen kann, lässt sich allerdings leider zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös beziffern. Aber wir wissen, dass die vielfältige und spannende Museumslandschaft der Stadt über ein Potenzial verfügt, das aufgrund finanzieller und personeller Engpässe nicht ausreichend gehoben werden kann. Das zu ändern ist eine langfristige Aufgabe, der wir uns stellen und widmen wollen und werden.“

„Ja! Ob Vermittlung, Outreach oder Kulturelle Bildung ganz allgemein: Dergleichen Strukturen und Angebote müssen ein integraler Bestandteil der öffentlichen Kulturarbeit und -förderung sein und somit auch Teil der Regelförderung. In der letzten Legislaturperiode ist es vereinzelt gelungen, erfolgreiche Projekte zu verstetigen und z.B. die Honorare von Guides in den Gedenkstätten anzuheben. Daran wollen wir Bündnisgrüne anknüpfen. Das muss einhergehen mit einem Ausbau des Berliner Projektfonds Kultureller Bildung und der Jugendkulturinitiative sowie einer Fortschreibung des Rahmenkonzepts Kulturelle Bildung.“

„Es braucht eine bessere ressortübergreifende Zusammenarbeit zwischen Kultur-, Bildungs- und Jugendverwaltung im Bereich der Kulturellen Bildung. Wir sehen die Fortführung der Jugendkulturinitiative als Chance, institutionell geförderte Kultureinrichtungen als aktive Orte kultureller Bildung zu etablieren und ihre Verantwortung für den Zugang junger Menschen zum Kulturangebot weiter auszubauen. Auch Besuche von Gedenkstätten und die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte wollen wir stärker in der politischen Bildung verankern.“

Ja. Kulturelle Bildung und Outreach gehören zum Kernauftrag der Häuser. Wir verankern dafür dauerhaft finanzierte Stellen und Sachmittel in den institutionellen Förderungen, stärken langfristige Kooperationen mit Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen – besonders in bislang wenig erreichten Stadtteilen – und bauen ressortübergreifende Förderstrukturen aus, damit bewährte Kooperationen nicht jedes Jahr neu beantragt werden müssen. Mit dem Demokratiefördergesetz sichern wir ergänzend die außerschulische Demokratiebildung; gerade Gedenkstätten und Museen sind hierfür zentrale Orte.“

Ausstellungen

Ausstellungen sind der sichtbarste Teil musealer Arbeit. Insbesondere kleineren Einrichtungen fehlt oft eigenes Budget für Ausstellungen, zugleich konkurrieren sie um wenige Fördertöpfe. Wird sich Ihre Partei für eine Verbesserung der Situation einsetzen?

→ ja/nein; nennen Sie 1-3 konkrete Maßnahmen.

„Der Befund ist leider zutreffend und das ist auf keinen Fall befriedigend. Allein die Arbeit der Regional- und Bezirksmuseen ist von unschätzbarem Wert, ermöglichen sie doch wohnortnah und barrierearm den Zugang zu kultureller Bildung und Teilhabe. Wir wollen sie langfristig besser ausstatten, um ihnen die Möglichkeit zu geben, noch mehr Angebote in der Fläche zu unterbreiten.“

„Ja, im Berliner Kulturhaushalt ist die sog. Maßnahmegruppe 03 (Museen, Gedenkstätten und Erinnerungskultur) schon seit längerem strukturell unterfinanziert. Durch die drastischen, überproportionalen Kürzungen durch CDU und SPD bei der Berliner Kulturförderung hat sich die Förderquote in den einschlägigen Fördersystemen zusätzlich verringert. Hinzu kommt die allgemeine Teuerung in Gestalt der Inflations- und Tarifentwicklung. Wir Bündnisgrüne wollen die schwarz-roten Kürzungen wieder rückgängig machen und mit einem Kulturfördergesetz für mehr Verlässlichkeit und Planungssicherheit in der öffentlichen Kulturförderung sorgen.“

„Gerade kleinere Einrichtungen brauchen verlässliche und praxisnahe Förderstrukturen. Bestehende Förderinstrumente wollen wir regelmäßig überprüfen, Verfahren transparent und möglichst einfach gestalten und Kooperationen stärken, statt neue Parallelstrukturen zu schaffen. Auch die Förderung von Ausstellungen über die Bezirke wollen wir fortführen.“

Ja. Kleinere Museen, kommunale Galerien und Ausstellungshäuser leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur kulturellen Vielfalt und dürfen nicht von unsicheren Einzelanträgen abhängig sein. Wir setzen auf auskömmliche Ausstellungs- und Produktionsbudgets, niedrigschwellige, mehrjährige Förderprogramme mit vereinfachten Verfahren sowie faire Honorare und Ausstellungsvergütungen, damit gestiegene Kosten nicht auf Künstler*innen abgewälzt werden. Den Fonds für Ausstellungsvergütungen in kommunalen Galerien (FABiK) haben wir gesichert und entwickeln ihn bedarfsgerecht weiter.“

Transformation

Museen, Gedenkstätten und Ausstellungshäuser benötigen dringend Unterstützung bei verschiedenen Transformationsprozessen, z. B. im Bereich Diversität / Antidiskriminierung, Inklusion, Digitalität und Nachhaltigkeit. Setzen Sie sich für diese Querschnittsthemen ein?

→ ja/nein; nennen Sie 1-3 konkrete Maßnahmen.

„Das haben wir getan und das wollen wir auch künftig tun. Die von Ihnen angesprochenen Themen betreffen alle Bereiche der Kultur (und natürlich darüber hinaus). Es gibt großen Nachholbedarf, nicht wegen mangelnder Initiative und Kompetenz, sondern weil die finanziellen und personellen Ressourcen nicht ausreichen, die allein für digitale Aufgaben, organisatorischen Wandel, stärkere Vernetzung und Maßnahmen in den Bereichen Diversität, Nachhaltigkeit und Inklusion notwendig sind. Ein übergreifender Masterplan seitens der Politik, der zugleich abbildet, in welchen Zeiträumen und Schritten hier Defizite beseitigt und Zukunftsaufgaben angegangen werden können, fehlt, wird aber gebraucht. Wir werden uns dafür einsetzen, dass es hier vorangeht.“

„Ja, denn bei all diesen Themen geht es letztlich um die Zukunftsfähigkeit der öffentlichen Kultureinrichtungen. Nur wenn die auch zukünftig ihr Publikum erreichen, können sie ihrem Auftrag weiterhin nachkommen. Deshalb werden wir Bündnisgrüne die vorhandenen Strukturen, Beratungsstellen und Programme wie Diversity Arts Culture und Open Arts Hub Berlin oder digiS und kulturBdigital sichern und ausbauen. Außerdem wollen wir die Streichung der Green Culture-Anlaufstelle von CDU und SPD auf Bundesebene durch ein eigenes Berliner Angebot kompensieren.“

„Mit dem Transformationsfonds haben wir bereits ein Instrument geschaffen, um Kultureinrichtungen zukunftsfähig weiterzuentwickeln, Synergiepotentiale zu heben und Prozesse effizienter zu gestalten. Dazu gehören eine zentrale Server-Infrastruktur für digitales Kulturgut, gemeinsame IT-Service-Strukturen sowie ein einrichtungsübergreifendes Nachhaltigkeitsmanagement. Das Projekt Shared IT Services (SITS), das eine zentrale Unterstützung bei IT-Sicherheit, Barrierefreiheit und der Digitalisierung von Verwaltungsprozessen schaffen soll, unterstützen wir ausdrücklich und wollen es fortführen. Ziel ist, die Servicestelle ab dem zweiten Quartal 2027 als buchbare Dienstleistung für Kultureinrichtungen verfügbar zu machen.“

Ja. Diversität, Antidiskriminierung, Inklusion, Digitalität und Nachhaltigkeit sind Voraussetzungen zeitgemäßer Kulturarbeit – und weit mehr als Einzelmaßnahmen. Berlin verfügt über einen starken gesetzlichen Rahmen, den die SPD erkämpft oder mit erkämpft hat: vom Landesantidiskriminierungsgesetz über das Landesgleichstellungsgesetz und den Maßnahmenplan zur UN-Behindertenrechtskonvention bis zu neuen Gesetzen wie dem Klimaanpassungs- oder dem Bibliotheksgesetz. Diese Regelungen wirken auch in die Kultur hinein. Wir lassen nicht nach, ressortübergreifend für gleiche Lebensverhältnisse zu kämpfen.“

Erinnerungskultur

Erinnerungskultur zu NS-Verbrechen, SED-Diktatur und Kolonialismus steht angesichts gesellschaftlicher Polarisierung, schwindender Zeitzeugenschaft und wachsender Desinformation vor vielen Herausforderungen. Unterstützen Sie die Finanzierung dieser Arbeit?

→ ja/nein; nennen Sie 1–3 konkrete Maßnahmen.

(Anmerkung: Die Wahlprüfsteine „Sammlungen“ und „Erinnerungskultur“ wurden von der Partei Die Linke Berlin gemeinsam beantwortet.)

„Die Linke Berlin strebt eine nachhaltige Förderung der Erforschung der Herkunft von Objekten an und das vor allem in den Kontexten Kolonialismus und Nationalsozialismus. Notfallvorsorge und Kulturschutzgut sind sehr drängende Probleme, über die wir gemeinsam in einem ersten Schritt reden müssen, denn die vergangenen Monate haben gezeigt, dass hier großer Handlungsbedarf besteht. Museen sind Orte, in denen wissenschaftliche Arbeit stattfindet. Die ist genauso, wie die Provenienzforschung eine wichtige Arbeit, die nicht sofort öffentlich präsent ist, aber in unserer Verantwortung liegt.

Wir stimmen der Initiative für ein Kulturfördergesetz zu, wenn sie schreibt: „Die qualifizierte Sammlung, Bewahrung und Dokumentation von Kulturerbe ist eine zentrale Aufgabe von Museen. Durch Forschung, kuratorische Interpretation und Vermittlung tragen sie zum Entstehen neuen Wissens bei. Dieses Wissen betriff nicht nur die Objekte selbst, sondern auch deren kulturelle, historische und gesellschaftliche Kontexte. Damit sind Museen zentrale Akteure im öffentlichen Diskurs über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Gerade in diesen Zeiten wachsender Angriffe und Zumutungen im Sinne rechter, national-völkischer Umdeutung von Geschichte auf das kulturelle Erbe überhaupt ist es wichtig, dass Museen diesen Aufgaben mit ausreichender Ausstattung nachkommen können.“

„Ja, für uns als Bündnis 90/Die Grünen ist eine lebendige Erinnerungskultur nicht nur eine Frage der historischen Verantwortung, sondern auch entscheidend für den Erhalt unserer Demokratie. Es ist kein Zufall, dass antidemokratische, autoritäre Kräfte z.T. gezielt Gedenkstätten, Lern- und Erinnerungsorte angreifen oder zu delegitimieren versuchen. Denn sie sind das Gedächtnis und der gesellschaftliche Diskursraum einer modernen pluralistischen Gesellschaft. Wir Bündnisgrüne werden deshalb das gesamtstädtische Erinnerungskonzept Kolonialismus umsetzen, die Arbeit der Gedenkstätten und Erinnerungsorte insgesamt stärken und allen politisch motivierten Angriffen auf ihre Integrität entschieden entgegentreten.“

„Unser Ziel ist eine lebendige Erinnerungskultur, die von Dialog und Auseinandersetzung lebt. Bestehende Einrichtungen und Initiativen wollen wir verlässlich und nachhaltig absichern, Gedenkstättenarbeit fördern, Zeitzeugengespräche ermöglichen und Bildungsangebote stärken. Gerade jungen Menschen wollen wir vermitteln, dass Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeiten sind.
Die Singularität der Shoah, die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und der SED-Diktatur müssen dauerhaft im öffentlichen Bewusstsein verankert bleiben. Zentrale Erinnerungsorte wie die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, den Campus für Demokratie und die Keibelstraße wollen wir sichern und weiterentwickeln. Auch die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Berlins wollen wir auf Grundlage des gesamtstädtischen Erinnerungskonzepts und durch dezentrale Erinnerungsarbeit fortführen.“

Ja. Die kritische Aufarbeitung der NS-Verbrechen, der SED-Diktatur und des Kolonialismus ist unverzichtbar – jeweils in ihrer Eigenständigkeit, ohne Relativierung oder Gleichsetzung. Gedenkstätten und Erinnerungsprojekte sichern wir durch verlässliche institutionelle und mehrjährige Finanzierung; besonderes Gewicht haben die Erinnerung an die Shoah und die Bekämpfung des wachsenden Antisemitismus. Das Konzept „Kolonialismus erinnern“ verankern wir dauerhaft, ebenso die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur. Angesichts schwindender Zeitzeugenschaft investieren wir in digitale Archive, Oral History und neue Vermittlungsformen; das Demokratiefördergesetz stärkt ergänzend die zivilgesellschaftliche Erinnerungsarbeit.“

Unabhängigkeit

Angesichts aktueller Debatten um politische Einflussnahme auf Kultureinrichtungen und Juryverfahren: Ergreifen Sie strukturelle Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die inhaltliche Unabhängigkeit ein Grundprinzip der Berliner Kulturförderung bleibt?

→ ja/nein; nennen Sie 1-3 konkrete Maßnahmen.

„Dafür werden wir uns ebenfalls weiterhin stark machen. Eine grundlegende und dringend notwendige Überarbeitung der Vergabepraxis und des Zuwendungsrechts, für die wir stehen, sollte mit der Ausweitung des Systems unabhängiger Jurys und Fachbeiräte sowie der Ausweitung der Bürger*innenbeteiligung in diesen Gremien einhergehen.
Juryentscheidungen sollen binden sein. Die Linke Berlin will die Ausweitung partizipativer Prozesse bei der Gestaltung und Steuerung der Fördersysteme. Eine wirkungsvolle Reform, die sich auch mit der Frage befasst, wie Transparenz gesichert werden kann, muss gemeinsam mit den Interessensvertretungen und Künstler*innen, Kulturinstitutionen und Arbeitsstrukturen erarbeitet werden. In einem ersten Schritt wollen wir uns an den Hinweisen, Kritiken und Vorschlägen des Landesrechnungshofes orientieren, um zumindest die kritikabelsten Punkte möglichst schnell auszuräumen.

Wir nehmen den Generalangriff von rechts auf Kunstfreiheit, Kultureinrichtungen und Künstler*innen sehr ernst und wollen alle Möglichkeiten nutzen, unsere reichhaltige, diverse Kulturlandschaft und die in der Kultur und für die Kultur Arbeitenden zu schützen und resilient zu machen.“

„Ja, wir Bündnisgrüne beobachten mit großer Sorge die Angriffe auf die inhaltliche Autonomie der öffentlichen Kultureinrichtungen. Denn politische Einflussnahme auf deren Programmarbeit untergräbt die notwendige Staatsferne und Fachlichkeit in der öffentlichen Kulturförderung, aber auch die Kunst-, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit selbst. Daher wollen wir die fachliche Unabhängigkeit landesfinanzierter Institutionen und Projektträger mit einem Berliner Kulturfördergesetz besser absichern. Gleiches gilt für den Einsatz von Jury-, Beirats-und Evaluationsverfahren in der öffentlichen Kulturförderung. Politische Eingriffe, bis hin zum Verfassungsschutz, wie beim Buchhandlungspreis, dem Hauptstadtkulturfonds oder dem Berliner Projektefonds Kulturelle Bildung lehnen wir strikt ab.“

„Die Kunstfreiheit ist durch Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes geschützt und für uns nicht verhandelbar. Die Förderung mit Steuergeldern muss transparent, nachvollziehbar und rechtsstaatlich organisiert sein. Wir setzen uns für klare Förderrichtlinien, veröffentlichte Vergabekriterien, nachvollziehbare Verfahren und den Einsatz unabhängiger Fachjurys ein. Förderentscheidungen sollen fachlich begründet, transparent dokumentiert und regelmäßig evaluiert werden.“

Berlins Kulturförderung garantiert die Freiheit aller künstlerischen Positionen – bei Kunst-, Programm- und Meinungsfreiheit sehen wir keinen grundsätzlichen Handlungsbedarf, wohl aber Verbesserungspotenzial im System. Diskutieren wollen wir vor allem, wie Berlin Künstler*innen besser unterstützen kann, die andernorts gefährdet sind – mit Stipendien, Residenzen und Kooperationen, die ihre besondere Gefährdung verlässlich berücksichtigen. Internationale Künstler*innen mit Schutzbedarf müssen sich auf Berlin als Stadt der Freiheit verlassen können.

Die SPD steht für internationale Solidarität mit gefährdeten Künstler*innen – auch und gerade in Berlin.“

Kulturpolitische Positionen und Schwerpunkte

#DeineStimmeFürKultur

Im Vorfeld der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 läuft im Bündnis #BerlinIstKultur die Kampagne #DeineStimmeFürKultur. Seit April 2026 macht sie Kultur im Wahljahr sichtbar und bündelt Wahlprüfsteine, Stellungnahmen, Antworten von Kandidieren sowie kulturpolitische Termine. Der Berliner Museumsverband ist Teil von #BerlinIstKultur und unterstützt finanziell die Kampagne. In der Geschäftsstelle werden derzeit Wahlprüfsteine entwickelt, damit die Anliegen von Museen, Gedenkstätten und Ausstellungshäuser im Wahljahr sichtbar werden.

So können sich Museen an #DeineStimmeFürKultur beteiligen:

  1. Aktionswoche gestalten: Eigene Aktionen in der Aktionswoche vom 10. bis 16. Juni 2026 und vom 2. bis 8. September 2026 planen.
  2. Statement unterzeichnen: Das gemeinsame Statement der Berliner Kultur mittragen
  3. Mit Politik ins Gespräch gehen: Kandidierende in den Bezirken ansprechen und dafür die Angebote der Kampagne zur Vorbereitung nutzen
  4. Wahlprüfsteine und Stellungnahmen einreichen: Positionen  in die Kampagne einbringen
  5. Termine melden: Kulturpolitische Veranstaltungen im Wahljahr über die Kampagne sichtbar machen

Berliner Kulturfördergesetz

Ein Berliner Kulturfördergesetz ist seit Jahren eine zentrale Forderung der Kulturlandschaft. Es soll Kultur in Berlin verbindlicher absichern und verlässlichere Rahmenbedingungen für Förderung, Infrastruktur, Beteiligung und gute Arbeit schaffen. Für Museen, Gedenkstätten und Ausstellungshäuser ist dabei entscheidend , dass ihre zahlreichen Aufgaben ausdrücklich anerkannt und langfristig gestärkt werden. Als Berliner Museumsverband bringen wir diese Perspektive in den laufenden Prozess der Berliner Kulturkonferenz ein. 

Beteiligungsverfahren und Reader: Seit April 2025 koordinieren die Berliner Kulturkonferenz ein Beteiligungsverfahren für ein Berliner Kulturfördergesetz, gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bis Februar 2026 haben 15 Fachgruppen mit über 120 Beteiligten erste Ergebnisse erarbeitet. Veröffentlicht wurden sie in einem 148 Seiten starken Reader. Den Fachbeitrag „Museen, Gedenkstätten und Ausstellungshäuser“ hat die Geschäftsstelle des Berliner Museumsverband gemeinsam mit Mitgliedern und weiteren Fachvertreter*innen. Für den Museumsbereich benennt der Reader unter anderem planbare  Förderstrukturen,  niedrigschwellige Zugänge, faire Arbeitsbedingungen sowie eine Stärkung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Er ist damit ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu einem Berliner Kulturfördergesetz.

Haushaltskürzungen

#BerlinIstKultur

Angesichts der drastischen Kulturkürzungen hat die Berliner Kulturlandschaft im Jahr 2024 gemeinsam das Aktionsbündnis #BerlinIstKultur gestartet. Die Initiative bündelt Proteste, informiert und vernetzt die Kulturszene. Durch Demonstrationen, Veranstaltungen und Pressearbeit macht sie auf die Folgen der Einsparungen aufmerksam. Zudem stärkt sie den Austausch mit anderen betroffenen Bereichen. Wir sind Teil von #BerlinIstKultur und unterstützen die Initiative. Verantwortet wird das Aktionsbündnis von der Berliner Kulturkonferenz, bei der wir ebenfalls seit März 2025 Mitglied sind.

Unsere Statements

Hier finden Sie unsere Offenen Briefe, Stellungnahmen und Pressemitteilungen zu den Kulturkürzungen im Berliner Haushalt. Klicken Sie auf die Kacheln, um die Statements zu lesen.

Im Interview

In der Rubrik „Museumsmacher*innen“ unseres Newsletters sprachen wir Emma Enderby und Anne Fäser über ihre Arbeit und die Auswirkungen der Kürzungen im Berliner Kulturetat auf ihre Institution.

„Our budget has been cut by 14%, along with the loss of a staffing position, which has hit us hard. These cuts directly affect our program, staff, artists, educators, partners, and, not least, our visitors.“

Die Einsparungen, die in zahlreichen Bereichen vorgenommen werden, bereiten mir ernsthafte Sorgen und gefährden in erheblichem Maße den unabdingbaren Prozess der Inklusion. (…) Denn kulturelle Teilhabe ist ein grundlegendes Menschenrecht, das jedem Individuum ohne Einschränkung zusteht.“

Museumsjournal

Der Diskurs „Kultur als Streichposten“ in der aktuellen Ausgabe des Museumsjournal beleuchtet, wie sich die Kürzungen im Kulturetat nach den Haushaltsberatungen im Dezember auf Museen, Hochschulen, kulturelle Initiativen und Netzwerke ganz konkret auswirken. Auch einige von unseren Mitgliedern berichten, mit welchen Einsparungen sie konfrontiert sind, wie diese ihre Arbeit erschweren und welche Konsequenzen sie ziehen müssen.

© Matt Copson, »Age of Coming«, 2020. Courtesy der Künstler und Lodovico Corsini, Brüssel, Foto: Benjamin Baltus; Ausschnitt aus der Installationsansicht der Ausstellung »Matt Copson – Coming of Age. Age of Coming. Of Coming Age« in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2025.

Aktion gegen die Abschaffung des Museumssonntags

Nach 2,2 Millionen Besuchen an 42 Sonntagen in 81 Museen hieß es am 1. Dezember 2024 ein letztes Mal: Sonntags ohne Eintritt ins Museum! Im Zuge der Sparmaßnahmen des Berliner Senats wurde das gemeinsame wegweisende Projekt von rund 80 Berliner Museen für kulturelle Teilhabe und Senkung von Eintrittsbarrieren somit beendet. Der Berliner Museumsverband begleitete die große Aktion der Kulturprojekte Berlin und der Museen zum letzten Museumssonntag und rief dazu auf, auf Social Media zu teilen, warum Museen wichtig sind und der Museumssonntag fehlen wird.

Social-Media-Aktion: Kürzungen mit Konsequenzen

Im Rahmen der Aktionstage von #BerlinIstKultur starteten wir im Dezember 2024 unsere Social-Media-Aktion „Kürzungen mit Konsequenzen“:  In kurzen Videos berichteten Museumsmacher*innen, welche Auswirkungen der Kürzungen auf ihre Häuser und die gesamte Kulturlandschaft sie fürchteten. Klicken Sie auf den weißen Pfeil, um die Videos zu starten.

„Mit dem Rotstift wird an der Vielfalt und Zukunft unserer Kulturlandschaft gespart – an Museen, Gedenkstätten und Ausstellungshäusern. Das trifft vor allem die Menschen, die in Berlin leben, arbeiten und die Stadt besuchen. Deshalb fordern wir gemeinsam: #KürztDieKürzungen.“

Kulturpolitische Arbeit und Netzwerke

Der Berliner Museumsverband bringt die Interessen der Berliner Museen in kulturpolitische Debatten ein und engagiert sich für starke, vielfältige und zukunftsfähige Museumsstrukturen in der Stadt. Dafür ist der Verband in Netzwerken auf Berliner, bundesweiter und europäischer Ebene aktiv: in #BerlinIstKultur als Teil der Berliner Kulturkonferenz (BKK), im Deutschen Museumsbund (DMB), als assoziiertes Mitglied der Konferenz der Museumsberatungsstellen in den Ländern (KMBL) sowie bei NEMO – The Network of European Museum Organisations (NEMO).