Handlungssicher in unruhigen Zeiten
Im Herbst 2024 und 2025 führten wir unter dem Titel „Mittendrin. Handlungssicher in unruhigen Zeiten“ eine digitale Lunch-Break-Reihe durch, die die Museumslandschaft dabei unterstützen sollte, sich in gesellschaftspolitisch unruhigen Zeiten resilient aufzustellen. 2025 kooperierten wir dabei mit der Landesstelle für Museen Baden-Württemberg sowie dem Museumsverband für Niedersachsen und Bremen. Hier finden Sie Aufzeichnungen der Vorträge sowie Infoblätter zu den einzelnen Sessions. Die Illustrationen stammen von Anne Albert. Die Vortragsvideos stehen mit Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache (DGS) zur Verfügung.
"Veranstaltungen – Awareness, Sicherheit und Deeskalation"
Angesichts gesellschaftspolitischer Spannungen setzen sich viele Museen zunehmend damit auseinander, sich auf schwierige Situationen und Störungen bei Veranstaltungen vorzubereiten. Dabei rücken Awareness-, Deeskalations- und Sicherheitsstrategien stärker in den Fokus. Katharina Weiß von der Compassion Crew erläutert in ihrem Vortrag Definitionen, präventive Maßnahmen und Handlungsstrategien.
"Resilienz im Museum: Fokus Ausstellungen"
Politische und gesellschaftliche Krisen und Spannungen spiegeln sich zunehmend in der Vorbereitung und in der Durchführung von Ausstellungen wider. Benjamin Andrea und Theresa Schnell von METRUM erörterten die aktuellen Herausforderungen im Bereich Antidiskriminierung und Kunstfreiheit innerhalb der Ausstellungspraxis und stellten hilfreiche Instrumente und Methoden zur Konfliktvermeidung in diesem Kontext vor.
"Haltungskommunikation in Kultureinrichtungen – Thesen, Tools, Methoden"
Zunehmend mehr Institutionen stehen aufgrund gesellschaftspolitischer Polarisierung in der digitalen Kommunikation vor neuen Herausforderungen – darunter Shitstorms, Hate Speech und gezielte digitale Störungen. Die Digitalexpertin Karin Bjerregaard Schlüter von der Kulturbotschaft Berlin und Co-Autorin des 2024 erschienen Handbuchs: „Krisenkommunikation für den Kulturbetrieb – Ein Leitfaden: Digitale Methoden und Tools“ sprach über Instrumente und Methoden, die präventiv und zur Bewältigung von Krisensituation eingesetzt werden können.
"Cultural Leadership – Führung in Unruhigen Zeiten"
In herausfordernden Zeiten sind Führungskräfte besonders gefordert: Schnelles Handeln, komplexe Entscheidungen und der Umgang mit Druck von innen und außen stehen im Fokus. Gleichzeitig beeinflussen unterschiedliche Bedürfnisse und Haltungen im Team die tägliche Arbeit. Wie bleibt man als Führungskraft auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig? Wie entwickelt man einen verlässlichen Kompass für Krisensituationen? Der Leadership-Experte Martin Zierold spricht über Methoden in der Praxis.
"Konstruktive Konfliktkultur – Teamkommunikation in Krisenzeiten"
In der aktuell angespannten gesellschaftspolitischen Situation stehen Museumsteams vor besonderen Herausforderungen. Unterschiedliche Meinungen und Haltungen können im täglichen Miteinander zu Spannungen führen. Komplexe und hektische Kommunikationssituationen entstehen – und wenn Ansichten als unvereinbar wahrgenommen werden, können Konflikte entstehen. Katja Weber von REFLEKT zeigt praxisnahe Methoden zur Konfliktlösung und gibt konkrete Handlungsstrategien für den Arbeitsalltag.
"Wer braucht was - und warum? Werkzeuge für eine diskriminierungskritische Kulturarbeit?"
Code of Conducts, Betriebsvereinbarungen, Besuchsordnungen, Leitbilder – viele Kulturinstitutionen er- oder überarbeiten derzeit Dokumente, um diskriminierungskritisches Arbeiten zu stärken und klare Regelungen für den Umgang mit Konflikten zu schaffen. Sonja Laaser von der Kanzlei Laaser gab einen Überblick über zentrale Fragen, die sich die Häuser bei der Erarbeitung solcher Dokumente stellen sollten. An wen genau richten sich diese – an das Team, an Kooperationspartner*innen, Dienstleiter*innen, an das Publikum? Welchen Zweck sollen diese erfüllen? Sollen Werte kommuniziert, Handlungsleitlinien oder Sanktionen vereinbart werden? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten?
"Sicher auftreten im Umgang mit Herausforderungen im Besuchendenservice"
Beschäftigte im Besuchendenservice sind zunehmend mit diskriminierenden Äußerungen von Besuchenden, Anfeindungen und gezielten Provokationen konfrontiert – insbesondere dann, wenn Museen, Gedenkstätten oder Ausstellungshäuser zu gesellschaftspolitischen Themen arbeiten. Im Vortrag gab Simon Brost von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Impulse für konkrete Handlungsmöglichkeiten: Wie können sich Einrichtungen gezielt auf solche Situationen vorbereiten? Wie lässt sich der Besuchendenservice präventiv stärken? Welche Maßnahmen helfen Mitarbeitenden, im direkten Kontakt mit Störungen handlungsfähig zu bleiben?
"Wie sprechen über Israel/Palästina?"
Wie können sensible, differenzierte und vor allem antidiskriminierende Gespräche
über Israel/Palästina aussehen? In der dritten Ausgabe der Lunch-Break 2025 war Hanif Aroji als Referent der Bildungsstätte Anne Frank zu Gast.
Im Fokus des Vortrags sollte dabei keine abschließende Erklärung, Bewertung oder
gar Lösung des sogenannten „Nahostkonflikts“ stehen. Vielmehr ging es um den
diesen umgebenden Diskurs in Deutschland sowie die verschiedenen dort aufei
nandertreffenden Perspektiven und wie Kulturinstitutionen als Aushandlungsorte
damit umgehen können.
"How to Kommentarspalte. Das 1x1 gegen Hate Speech und für bessere Kommentarspalten"
Kommentarspalten in sozialen Medien sind Orte des Austauschs – aber auch Angriffsflächen für Hass und Abwertung. Doch wie lässt sich Hate Speech wirksam begegnen? Was muss weg? Was darf bleiben? – und vor allem: Wie machen wir’s besser? Oliver Saal, Referent im Projekt Civic.net – Aktiv gegen Hass im Netz, stellte in seinem Vortrag, praktische Tipps und Tools vor, um Hate Speech zu begegnen und gleichzeitig eine konstruktive Kommunikation zu fördern: für alle, die nicht nur löschen, sondern ihre Kommentarspalten aktiv gestalten möchten.
"The Art of Democracy – Wie Kultureinrichtungen antidemokratischer Einflussnahme begegnen können"
Kultur ist wichtig! Nur wissen das auch die Antidemokrat*innen. Zunehmend versuchen antidemokratische Kräfte, unliebsamen Kultureinrichtungen mit Verweis auf das „Neutralitätsgebot“ die Mittel zu kürzen und – zum Teil gewaltsam – Einfluss auszuüben. Carl Schüppel vom Progressiven Zentrum gab Einblick in die Kulturverständnisse und Strategien der Neuen Rechten und stellt auf Basis der Studie The Art of Democracy konkrete Umgangsstrategien vor: Wie können Kultureinrichtungen Haltung zeigen und sich gegen antidemokratische Angriffe und Vereinnahmungsversuche wehren?
Weitere Informationen und Materialien
Wir haben noch viele weitere Ressourcen zur Unterstützung der Museen zu diesem Thema. Wenn Sie auf den Button klicken, kommen Sie zur entsprechenden Seite.
