Lunch-Breaks 2025
Im September und Oktober luden wir gemeinsam mit der Landesstelle für Museen Baden-Württemberg und dem Museumsverband Niedersachsen-Bremen immer dienstags zu gemeinsamen Mittagspause ein.
Expert*innen aus verschiedenen Disziplinen gaben kompakte Impulse für die Museumspraxis, die in unruhigen Zeiten Orientierung bieten können. Denn auch in dieser Runde widmeten wir uns der Frage: Welche Strategien und Methoden können Museen helfen, um sich in gesellschaftspolitisch herausfordernden Zeiten resilient aufzustellen?
Aufzeichnungen und Infoblätter der Lunch-Break-Reihe aus dem Herbst 2024 finden Sie weiter unten. Auch für die diesjährigen Sessions wird es zeitnah zu jeder Session eine Dokumentation geben.
Foto © Frank Eidel
"Wer braucht was - und warum? Werkzeuge für eine diskriminierungskritische Kulturarbeit?"
Code of Conducts, Betriebsvereinbarungen, Besuchsordnungen, Leitbilder – viele Kulturinstitutionen er- oder überarbeiten derzeit Dokumente, um diskriminierungskritisches Arbeiten zu stärken und klare Regelungen für den Umgang mit Konflikten zu schaffen.
Sonja Laaser von der Kanzlei Laaser gab einen Überblick über zentrale Fragen, die sich die Häuser bei der Erarbeitung solcher Dokumente stellen sollten. An wen genau richten sich diese – an das Team, an Kooperationspartner*innen, Dienstleiter*innen, an das Publikum? Welchen Zweck sollen diese erfüllen? Sollen Werte kommuniziert, Handlungsleitlinien oder Sanktionen vereinbart werden? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten?
Die auf die Kultur- und Kreativwirtschaft spezialisierte Kanzlei Laaser berät bundesweit Kulturschaffende, Verbände und Institutionen – unter anderem zur diskriminierungskritischen Praxis, zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz und zu vertraglichen Regelungen wie der eigens entwickelten Antidiskriminierungsklausel.
"Sicher auftreten im Umgang mit Herausforderungen im Besucherservice"
Beschäftigte im Besucherservice sind zunehmend mit diskriminierenden Äußerungen von Besuchenden, Anfeindungen und gezielten Provokationen konfrontiert – insbesondere dann, wenn Museen, Gedenkstätten oder Ausstellungshäuser zu gesellschaftspolitischen Themen arbeiten.
Im Vortrag gab Simon Brost von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Impulse für konkrete Handlungsmöglichkeiten: Wie können sich Einrichtungen gezielt auf solche Situationen vorbereiten? Wie lässt sich der Besucherservice präventiv stärken? Welche Maßnahmen helfen Mitarbeitenden, im direkten Kontakt mit Störungen handlungsfähig zu bleiben?
Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) begleitet seit über 20 Jahren Einzelpersonen und Institutionen, die sich für eine demokratische Kultur engagieren und dadurch unter Druck geraten.
"Wie sprechen über Israel/Palästina?"
Der Terroranschlag des 7. Oktobers 2023 in Israel und der eskalierende Krieg beeinflussen das gesellschaftliche Miteinander in Deutschland stark. Auch für die Bildungs- und Vermittlungsarbeit in Museen stellt sich die Frage: Wie kann über diesen Konflikt gesprochen werden – sensibel, differenziert und ohne Zuschreibungen?
Hanif Aroji, Referent der Bildungsstätte Anne Frank, zeigte in seinem Vortrag pädagogische Zugänge auf, die eine reflektierte Auseinandersetzung ermöglichen. Wie sieht der Diskursraum in Deutschland aus, und in welchen Spannungsfeldern – etwa Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus – bewegen wir uns? Vorgestellt wurden konkrete Methoden und Handlungsstrategien, die helfen, im Gespräch zu bleiben und Räume für Bildung, Austausch und Haltung zu gestalten.
Foto © Max Threlfall
"How to Kommentarspalte. Das 1x1 gegen Hate Speech und für bessere Kommentarspalten"
Kommentarspalten in sozialen Medien sind Orte des Austauschs – aber auch Angriffsflächen für Hass und Abwertung. Doch wie lässt sich Hate Speech wirksam begegnen? Was muss weg? Was darf bleiben? – und vor allem: Wie machen wir’s besser?
Oliver Saal, Referent im Projekt Civic.net – Aktiv gegen Hass im Netz, stellte in seinem Vortrag, praktische Tipps und Tools vor, um Hate Speech zu begegnen und gleichzeitig eine konstruktive Kommunikation zu fördern: für alle, die nicht nur löschen, sondern ihre Kommentarspalten aktiv gestalten möchten.
Civic.net ist ein Projekt der Amadeu Antonio Stiftung und unterstützt zivilgesellschaftliche Organisationen im Umgang mit digitalem Hass, vermittelt Handlungskompetenzen und begleitet Teams bei der Entwicklung langfristiger Strategien.
Foto © Fabian Melber/Das Progressive Zentrum
"The Art of Democracy – Wie Kultureinrichtungen antidemokratischer Einflussnahme begegnen können"
Kultur ist wichtig! Nur wissen das auch die Antidemokrat*innen. Zunehmend versuchen antidemokratische Kräfte, unliebsamen Kultureinrichtungen mit Verweis auf das „Neutralitätsgebot“ die Mittel zu kürzen und – zum Teil gewaltsam – Einfluss auszuüben.
Carl Schüppel vom Progressiven Zentrum gab Einblick in die Kulturverständnisse und Strategien der Neuen Rechten und stellt auf Basis der Studie The Art of Democracy konkrete Umgangsstrategien vor: Wie können Kultureinrichtungen Haltung zeigen und sich gegen antidemokratische Angriffe und Vereinnahmungsversuche wehren?
Das Progressive Zentrum ist ein unabhängiger Think Tank aus Berlin, der sich mit Forschung, Netzwerkarbeit und politischen Impulsen für eine gerechte, offene und resiliente Demokratie einsetzt.
Unsere Lunch Breaks 2024
Die erste Lunch-Break-Reihe fand im Herbst 2024 statt. Sie finden hier Präsentationen und Aufzeichnungen der Vorträge. Zu jedem Thema gibt es im Folgenden ein Infoblatt mit einer begleitenden Illustration von Anne Albert und einer schriftlichen Aufbereitung von Tina Veihelmann.
Fokus: Veranstaltung
Angesichts gesellschaftspolitischer Spannungen setzen sich viele Museen zunehmend damit auseinander, sich auf schwierige Situationen und Störungen bei Veranstaltungen vorzubereiten. Dabei rücken Awareness-, Deeskalations- und Sicherheitsstrategien stärker in den Fokus. Katharina Weiß von der Compassion Crew erläutert in ihrem Vortrag Definitionen, präventive Maßnahmen und Handlungsstrategien.
Fokus: Ausstellungen
Politische und gesellschaftliche Krisen und Spannungen spiegeln sich zunehmend in der Vorbereitung und in der Durchführung von Ausstellungen wider. Benjamin Andrea und Theresa Schnell von METRUM erörterten die aktuellen Herausforderungen im Bereich Antidiskriminierung und Kunstfreiheit innerhalb der Ausstellungspraxis und stellten hilfreiche Instrumente und Methoden zur Konfliktvermeidung in diesem Kontext vor.
Fokus: Digitale Kommunikation
Zunehmend mehr Institutionen stehen aufgrund gesellschaftspolitischer Polarisierung in der digitalen Kommunikation vor neuen Herausforderungen – darunter Shitstorms, Hate Speech und gezielte digitale Störungen. Die Digitalexpertin Karin Bjerregaard Schlüter von der Kulturbotschaft Berlin und Co-Autorin des 2024 erschienen Handbuchs: „Krisenkommunikation für den Kulturbetrieb – Ein Leitfaden: Digitale Methoden und Tools“ sprach über Instrumente und Methoden, die präventiv und zur Bewältigung von Krisensituation eingesetzt werden können.
Fokus: Leadership
In herausfordernden Zeiten sind Führungskräfte besonders gefordert: Schnelles Handeln, komplexe Entscheidungen und der Umgang mit Druck von innen und außen stehen im Fokus. Gleichzeitig beeinflussen unterschiedliche Bedürfnisse und Haltungen im Team die tägliche Arbeit. Wie bleibt man als Führungskraft auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig? Wie entwickelt man einen verlässlichen Kompass für Krisensituationen? Der Leadership-Experte Martin Zierold spricht über Methoden in der Praxis.
Fokus: Teamkommunikation
In der aktuell angespannten gesellschaftspolitischen Situation stehen Museumsteams vor besonderen Herausforderungen. Unterschiedliche Meinungen und Haltungen können im täglichen Miteinander zu Spannungen führen. Komplexe und hektische Kommunikationssituationen entstehen – und wenn Ansichten als unvereinbar wahrgenommen werden, können Konflikte entstehen. Katja Weber von REFLEKT zeigt praxisnahe Methoden zur Konfliktlösung und gibt konkrete Handlungsstrategien für den Arbeitsalltag.
